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#11 Als Frau mit ausländischen Wurzeln eine erfolgreiche Karriere in Österreich aufbauen, geht das?

Blog Natalia Schweizer

Wer kennt das nicht? Es ist schon schwer genug als Frau im eigenen Land erfolgreiche Karriere aufzubauen. Wie soll es für jemanden aus dem Ausland den klappen?

Zu diesem Thema haben wir uns an einem wunderbaren Netzwerkabend der Professional Women´s Network Vienna im Coworking “Spaces Square One” versammelt, um der Podiumsdiskussion “How to do career in Austria” beizuwohnen und sowohl Inspirationen als auch praktische Tipps abzuholen.

Ich war richtig begeistert von der Stimmung, Gastgeberinnen und Gästen und natürlich der Podiumsgesprächen. Ich saß im Publikum und habe die ganze Zeit mit dem Kopf zustimmend genickt.

Hier sind die Aussagen der Top Frauen zusammengefasst und von mir bestätigt, so dass du auch deine Inspiration finden kannst, um weitere Karriereschritte in Angriff zu nehmen.

Wie starte ich eine erfolgreiche Karriere?

  • Tue das, was dir wirklich Spaß macht, was du liebst.
  • Konzentriere dich auf die Tätigkeiten, die den anderen Menschen erkennbaren Nutzen bringen, versuche auch für dich den Wert deiner Tätigkeit klar zu definieren.
  • Start from beginning and practice - werde einfach immer besser in dem was du tust. Bleib dran, übe dich in Disziplin!
Ein Buchtipp dazu: OUTLIERS. The Story of Success. By Malcolm Gladwell.
https://www.nytimes.com/2008/11/30/books/review/Leonhardt-t.html


Wie gehe ich mit kulturellen Unterschieden um?

  • Deutsche Sprache ist die wichtigste Integrationshilfe. 
  • Zeige Respekt den anderen Kulturen gegenüber, auch wenn sie dir sehr seltsam erscheinen.
  • Werde ein Teil des Teams. Gib den anderen genügend Zeit und habe Verständnis, dass die Einheimischen auch Zeit brauchen, um sich an deine kulturellen Besonderheiten privat und beruflich zu gewöhnen.

Führungskraft zu sein - wie machen das erfolgreiche Frauen?

  • Mein Team hat die höchste Priorität für mich! Der Kunde hat die höchste Priorität für mein Team. So sieht es aus und nicht umgekehrt.
  • Sei da für dein Team, auch wenn du nicht unbedingt selbst helfen könntest. Einfach da sein und das Team zu unterstützen hilft schon sehr. 
  • Du musst nicht zeigen, dass du fachlich was drauf hast, du musst dich darauf konzentrieren, dass du dein Team gut führen kannst.
  •  Lerne es zu akzeptieren, dass andere Menschen keine Clones von dir sind und es auch nicht werden können.
  • Lerne zu delegieren und andere Menschen in Ruhe sich entwickeln lassen. Bleib aber immer dabei und unterstütze die, wenn sie dich als Leader / Vorgesetzte brauchen.

Was hilft dabei, auf dem Karriereweg nicht aufzugeben?

  • Lerne dich immer wieder aus deiner Komfortzone raus zubewegen, an den Limit zu gehen, so entwickelst du immer weniger Angst vor neuen Herausforderungen.
  • Achte auf deine Work-Life-Balance - du brauchst Möglichkeiten, um abzuschalten und deine Ressourcen aufzubauen, Energie zu tanken.
  • Lerne Selbstreflexion, das hilft dir für deine Entwicklung als Mensch, als Leader und als Fachkraft.
  • Nimm Coaching in Anspruch, um deinen Wachstum zu fördern.
  • Nutze die Möglichkeiten, mit einem oder mehreren Mentoren und Mentorinnen Beziehungen aufzubauen.
  • Vernetze dich mit Gleichgesinnten!

DON´T LIMIT YOUR SELF!

Ich freue mich auf deine Kommentare! Gerne kannst du diesen Beitrag auch an die Frauen weiterleiten, die jetzt gerade vor einer neuen beruflichen Herausforderung stehen.

Meine Geschichte der Integration kannst du in diesem Blogbeitrag nachlesen.

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#10 Meine Suche nach Integration

Blog Natalia Schweizer

Pünktlich zum 1. Österreichischen Integrationsgipfel in Wien möchte ich hier meine persönliche Geschichte der Integration teilen.

„Ich habe an dich gedacht“, sagte Veronika. „Daran, dass ich als waschechte Wienerin in meinem Leben sehr wenige Gelegenheiten habe, Menschen wie dich kennenzulernen… „

Wann ist eine Integration erfolgreich vollzogen?

Ist das der Zeitpunkt, ab dem ein junger Mensch die Entscheidung seiner Eltern, Russland zu verlassen und nur mit zwei Koffern in den Westen zu ziehen, endgültig akzeptiert und erkennt, dass es keine 100-prozentig richtigen Entscheidungen im Leben gibt?

Ist das der Zeitpunkt, ab dem die Aussage der eigenen Tante, dass eine junge Frau doch die Ausbildung zur Friseurin machen sollte, damit sie fest auf eigenen Beinen stehen kann, obwohl diese junge Frau in einem anderen Land bereits ein Studium begonnen hat, nur als eine lustige Anekdote in der Karrieregeschichte dieser jungen Frau existiert?

Ist das der Zeitpunkt, ab dem eine Frau sich wieder den russischen Kochrezepten wendet und eine richtig köstliche Bortsch-Suppe kocht, ohne in Nostalgie zu verfallen? Die schmeckt halt einfach gut.

Vor über 23 Jahren habe ich das Land verlassen, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Vor drei Wochen habe ich mich dabei ertappt, dass ich bei den Vorstellungsrunden in meinen Trainings nicht mehr sage, dass ich aus Russland komme…

Ich habe gelernt, nicht nur meine kulturellen Werte zu akzeptieren und zu verteidigen, sondern auch die anderen Menschen so zu akzeptieren wie sie sind.

Dazwischen liegen Jahre der Selbstfindung, der Suche nach eigenen Identität als Frau, als Mensch und Gestaltung des eigenen Lebensweges.

Deutsche mit russischen Wurzeln oder Russin mit deutschen Wurzeln – das ist hier die Frage.

Die persönliche Konfrontation mit meiner Herkunft fand für mich das erste Mal in einer kleinen russischen Stadt in dem Gebiet, der sich zwar „Hinter dem Baikalsee“ nennt, aber doch einige Tausende Kilometer vom Baikalsee entfernt ist. Mit sechzehn durfte ich meinen ersten sowjetischen Pass beantragen. Stolz marschierte ich auf´s Amt, um ein Paar Angaben zu machen.

Ich bin erwachsen! Dieses Gefühl kennt jeder, egal in welchem Land wohnhaft.

Die Beamtin hat mir ein paar Fragen gestellt und dann kam diese Frage: „Welche Nationalität?“ Ohne lang nachdenken zu müssen, habe ich natürlich „Deutsche“ gesagt. „Ah so, du bist Deutsche? Dann haue doch ab zurück nach Deutschland!“

Diese Aussage hat mich nicht so sehr gestört. Es hat mich viel mehr gestört, dass diese Frau mich – eine erwachsene Person, die heute ihren ersten sowjetischen Pass beantragt – geduzt hat. Ich habe schon immer gewusst, dass mein Vater aus einer deutschen Familie stamm.

„Ja, wir fahren auch bald nach Deutschland“, habe ich geantwortet, obwohl für mich ein Umzug ins ferne Deutschland im Jahre 1993 überhaupt nicht möglich schien. Ich bin in einer Zeit und Gegend aufgewachsen, wo Reisen in die fernen Länder in Köpfen der Menschen nicht als Möglichkeit gespeichert wurden.

Es war für mich nie ein Problem deutsch zu sein. Das habe ich so von Kind auf gelernt und akzeptiert - meine Mutter ist Russin und mein Vater ist Deutscher. Als ich zur Schule ging, habe ich gelernt, dass mein Nachname doch ein wenig außergewöhnlich ist – ich heiße nämlich Schweizer und nicht Schweizer´ova, wie das bei den russischen Namen üblich ist. Allerdings, ging es mindestens der Hälfte meiner Klasse genauso wie mir – Russland war und ist ein Vielvölkerland.

Meine zweite Konfrontation mit meiner Herkunft fand dann zwei Jahre später und circa zehn tausend Kilometer weit westlich statt. Aus einmal wusste ich gar nicht mehr genau wer ich bin und wo ich her komme.

Meine Familie ist nach Deutschland umgesiedelt.

Wenn ich mir jetzt die Fotos von meiner ersten Zeit in Deutschland anschaue – sehe ich eine erwachsen aussehende 18-jährige Frau, die Kinderklamotten trägt.

Sprechen Sie Deutsch? Ein neues Leben anfangen und sich beruflich umorientieren.

Mein Vater hat mit uns nie Deutsch gesprochen. Wenn sein Bruder zur Besuch kam, haben sie sich in einer, für uns Kinder, „geheimen und lustigen Sprache“ unterhalten, weil sie ein Dialekt gesprochen haben. Mein Wortschatz begrenzte sich auf ein Paar Wörter aus den Kriegsfilmen.

Ich bin nach Deutschland gekommen, ohne ein einziges Wort Deutsch zu können. Ich konnte nicht kommunizieren! Ich war im Schock erstarrt und wollte unsere Wohnung überhaupt nicht verlassen. Mein kleiner Bruder und ich saßen stundenlang vor dem Fernseher und haben uns unterschiedliche Sender reingezogen und versucht, Lieder, die wir auf dem Musiksender Viva gehört haben, zu übersetzen.

Jetzt können wir beide darüber lachen, damals hat es mich fertig gemacht.

Endlich die Chance, eine richtige Deutsche zu werden

In den nächsten Jahren habe ich mich oft als Außenseiterin gefühlt. Ich bin immer wieder zwischen „Richtig Deutsch sein“ und „Richtig Russisch sein“ hin und her gewandert. Eigentlich war ich immer eher an Menschen und nicht an Herkunftsländern interessiert. Das wurde mir in meiner Studienzeit bewusst.

Was machen Sie beruflich, gnädige Frau?

In meinem „früheren“ Leben war mir immer klar, dass ich studieren werde. In Deutschland musste das nicht unbedingt sein. Meine Tante hat mir unbewusst eine ziemliche Motivation verpasst - nicht nur zu studieren, sondern auch meinen eigenen Weg zu gehen. Sie meinte, dass ich doch die Ausbildung zur Friseurin machen soll, dann werde ich ein festes Einkommen und immer die Möglichkeiten haben, ein wenig Geld dazu zu verdienen.

Was? Ich? Friseurin? Ich war empört…

Und habe nach ein paar Jahren ziemlich gutes Abiturzeugnis in der Tasche und ein Wirtschaftsstudium absolviert. 

Berufliche Wanderung – persönliche Verwandlung

Der erste Job – ein Traumjob führte mich nach Wien. Eine wunderschöne Stadt, tolle Menschen, die mich sehr dabei unterstützt haben, mein eigenen Leben zu führen und mich selbst zu finden. Ich habe mich mit voller Freude in die Arbeit und das Leben in einer Hauptstadt gestürzt. Ich war unter anderem für die Geschäftsbeziehungen mit Russland zuständig und endlich war mein Russisch gebraucht. Ich war am richtigen Platz.

Russland war ein wichtiger Markt für dieses Unternehmen und so wurde mir angeboten, bei der Öffnung einer neuen Verkaufsniederlassung in Russland mitzumachen.

So kam ich nach Sankt-Petersburg und bin fast vier Jahre in Russland geblieben. Ich kam in einer ganz anderen Rolle – als Büroleiterin eines deutschen Konzerns zurück und wurde erstmal mit einem Land konfrontiert, dass ich so gar nicht gekannt habe.

Es folgten Jahre beruflicher Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Misserfolgen, wunderbaren Menschen, die ich kennengelernt habe. Ich habe für mich ein neues Russland entdeckt und schätzen gelernt. Nach vier Jahren kam ich zurück nach Wien, weil ich meine Zukunft in Europa gesehen habe.

Das Unglück kommt selten allein

Schon wieder ein altes neues Leben. Ich war müde, ausgelaugt und hatte keine Lust, weitere berufliche Herausforderungen anzunehmen. In der gleichen Zeit ist noch mein Vater ganz plötzlich an einer Lungenembolie gestorben. Unerwartet hat es mich in ein tiefes schwarzes Loch geworfen. Ich saß alleine in einer wunderschönen Wohnung in Wien, ohne Perspektiven, ohne Familie, ohne Ideen, wie ich mein Leben eigentlich leben möchte. Gott sei Dank, waren immer Menschen da, die mich immer wieder unterstützt und aufgebaut haben.

Diese Zeit war aber auch dazu da, zu erkennen, niemand sonst außer mir kann über mein Leben bestimmen und ich bin diejenige, die Entscheidungen trifft.

Neuer Wind in die richtige Richtung

Irgendwann kam die Entscheidung, sich selbstständig zu machen. Toll! Ich habe mich sehr gefreut, selbst und ständig zu arbeiten. Ich habe nur einen entscheidenden Fehler gemacht, die auch viele GründerInnen machen und zwar – ich habe mich als Expertin für Markteintritt in Russland positioniert was quasi mein letzter angestellten Job war, obwohl ich eigentlich diesen Job nicht mehr machen wollte.

Parallel dazu habe ich angefangen als Trainerin und Gründungsberaterin zu arbeiten und es hat mir einen großen Spaß gemacht.

Der Vorteil davon, dass meine Karriere einen Knick hatte, habe ich erst später erkannt – ich habe plötzlich Zeit für andere Dinge bekommen. Genau in der Zeit, wo es bei mir beruflich gar nicht gut ging, habe ich meinen Partner kennengelernt und mich der weiteren Herausforderung einer multikulturellen Partnerschaft mit einem Patchworktouch gestellt.

Mein Familienglück wurde perfekt, als ich vor knapp zwei Jahren Mutter wurde. In der Zeit der Schwangerschaft hatte ich mein Business neuüberdacht und erkannt, wo meine wahre Berufung liegt – ich unterstütze gerne Frauen, die gerade dort stehen, wo ich schon vor 10 Jahren gestanden bin und die „Hausaufgaben des Lebens“ bereits gemacht habe.

Ich lebe mittlerweile mit meiner Familie in Wien, mein Sohn wächst zweisprachig auf. Ich bin als Frauencoach selbstständig und helfe Frauen dabei, ihren eigenen Weg zu finden und diesen auch zu gehen.

Ich bin 40 Jahre alt, fühle mich noch zu jung, um eine Biographie zu schreiben, aber reif genug, um meine Geschichte mit fremden Menschen zu teilen und anderen Frauen Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Ist meine Integration vollzogen?

Wer redet hier über Integration?

Ich habe diesen Beitrag im Sommer 2018 für ein Geschichtswettbewerb von Frauenmagazin Emotion geschrieben.
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#8 Kreiere dein eigenes Lebensmodell

Wo sind meine Role Models?

Viele Frauen von heute stecken in einem Dilemma

Früher war alles klar: Du bist in der Regel Ehefrau und Mutter geworden oder hast dich im eher ungewöhnlicheren Fall auf deine Karriere konzentriert und auf Familie verzichtet. Die gesellschaftliche Norm bestand darin, so schnell wie möglich zu heiraten und erste Kinder zu bekommen.

Ist diese Vorstellung furchtbar für dich? Klingt es etwas altbacken?

Ja, es geht bei weitem nicht nur dir so.

Modernen Frauen stehen alle Möglichkeiten offen:

- Sie können nach Belieben heiraten, und zwar wann auch immer sie wollen.

- Sie können sich für oder gegen Kinder entscheiden.

- Sie können im Alter von 25 Jahren eine steile Karriere beschreiten und außerdem drei Kinder bekommen.

Ja, klar, all das kann die Frau heutzutage.

Sheryl Sandberg schreibt in ihrem Bestseller „Lean In“, dass den modernen Frauen oft die entsprechenden Role Models fehlen, an denen sie sich orientieren können. Ihre Aussage von 2013 ist leider immer noch aktuell, so schnell können sich keine Role Models entwickeln.

In den Medien sehen wir oft Frauen, die das alles bereits geschafft haben und uns mit Stolz erzählen, wie sie die Schwierigkeiten überwunden haben. Wenn du dich aber in deiner näheren Umgebung umschaust, wirst du feststellen, dass die klassische Rollenverteilung noch sehr oft anzutreffen ist.

Mehr als nur Work-Life-Balance

Moderne Frauen sind durchaus sehr ehrgeizig geworden. Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2016 wünschen sich deutsche Frauen zwischen 18 und 40 Jahren nicht nur eine gute Work-Life-Balance, sie brauchen auch Zeit und Raum für die eigene persönliche Entwicklung.

Die Frau von heute ist viel mehr als Mutter und Karrierefrau.

Gehörst du dazu? Willkommen in meiner Welt.

Wenn du dich in deiner eigenen Haut wohlfühlst, kannst du bessere Entscheidungen bei der Gestaltung deiner Work-Life-Balance treffen.

Ich fasse das unter dem Begriff Lebensmodell zusammen und lade dich ein, hier und jetzt dein neues Lebensmodell zu entwickeln.

Anhand eines Beispiels möchte ich dir zeigen, warum es wichtig ist, ein eigenes Lebensmodell zu entwickeln, und wie sich das auf deine Work-Life-Balance letztendlich auswirken kann.

Zu mir ins Coaching kam eine zweifache Mutter und glückliche Ehefrau, die mit ihrem Zeitmanagement sehr unzufrieden war. Die Familienverwaltung würde sie sehr viel Zeit kosten, sodass sie mit ihrem Karriereziel – ein Online-Projekt aufzubauen – nicht so schnell und konsequent vorankommt, wie sie es sich eigentlich wünscht. Sie wollte gerne im Coaching an einem System für ihr Zeitmanagement arbeiten, das ihr genügend Freiraum für das berufliche Fortkommen einräumt.

Bereits in der ersten Coachingsitzung haben wir herausgefunden, dass es bei ihr in erster Linie darum ging, die eigenen Grenzen kennenzulernen und zu lernen, diese Grenzen den anderen Familienmitgliedern deutlich zu zeigen. Nachdem sie gelernt hat, selbst über ihre Zeit zu bestimmen und einige Aufgaben im Haushalt an die Familie zu delegieren, konnte sie sich dem beruflichen Projekt weiter widmen.

Mir scheint es sehr wichtig zu sein, dass Frauen ihr Leben als Gesamtkonzept wahrnehmen, sich ein eigenes Lebensmodell kreieren und selbst bestimmen, was für sie wichtig ist und wieviel Energie und Zeit sie in bestimmte Lebensbereiche investieren wollen.

Jede Veränderung braucht Zeit

Jede Veränderung führt zu einer weiteren Veränderung und betrifft direkt oder indirekt Menschen in deiner Umgebung. Häufig wollen Frauen, nachdem sie sich entschieden haben, selbstständig und stark zu sein, dieses neue Leben um jeden Preis durchziehen. Sie vergessen dabei, dass die Familienmitglieder eigentlich gar nicht mit diesem Wandel rechnen. Unser Partner, unsere Kinder, unsere Freunde wissen ja noch nichts von diesem neuen Lebensmodell und es kann durchaus sein, dass sie nicht sofort Feuer und Flamme sind. Gib dir und deinen Liebsten die Zeit, die ihr braucht.

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#1 Elisabeth Öfner: Begabung bzw. Berufung heißt für mich auch Verantwortung zu tragen, zuerst für mich selbst, aber im weiteren Sinne auch gegenüber meinen Mitmenschen.

Können Sie sich vorstellen, für einige Monate ihren festen Wohnsitz aufzugeben, alle Sicherheiten zu lösen und einfach in die Welt zu ziehen? Ich kann es für mich persönlich sehr schwer vorstellen, aber ich möchte Ihnen hier eine Person vorstellen, die das gemacht hat. Elisabeth Öfner ist eine österreichische Anthropologin und erforscht seit Jahren die Situation der Baschkiren in Russland. Ehrlich gesagt, als ich Elli vor fünf Jahren kennengelernt habe, war meine Vorstellung von Anthropologie gleich null, durch sie habe ich Interesse für diesen Wissensbereich und auch die Wichtigkeit der anthropologischen Forschung erkannt.

Also ich übergebe das Wort an Elisabeth

Was heißt für dich Begabung/Berufung?

Begabung ist für mich eine unerschöpfliche Quelle die jede Person tief in sich trägt. Ich für mich persönlich, verstand erst mit der Zeit, dass dies Quelle auch genügend Nahrung auf Aufmerksamkeit braucht. Fähigkeiten können auch wachsen und sich weiterentwickeln. Ich persönlich musste verschiedene Dinge ausprobieren, durch schwierige Situationen gehen um zu spüren und erfahren was „meins“ ist, um zu bemerken was mir liegt und wo ich in ein Resonanzverhältnis mit anderen Menschen gehen kann. Schließlich geht es darum meine Begabungen weiter auszudifferenzieren und zu lernen. Begabung bzw. Berufung heißt für mich auch Verantwortung zu tragen, zuerst für mich selbst, aber im weiteren Sinne auch gegenüber meinen Mitmenschen. Meine Begabungen sollen doch auch einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten können – zumindest ist dies ein Gedanke den ich immer wieder habe.

Wann hast du gemerkt, dass das was du machst auch wirklich deins ist?

Ich weiß es nicht genau, ich kann mich nicht an einen bestimmten Zeitpunkt erinnern. Mir fällt ein Schlüsselerlebnis ein: Vor etwa einem Jahr hielt ich einen Vortrag im Arctic Center in Rovaniemi (Finnland). Dieses Forschungsinstitut ist gemeinsam mit einem Museum in einem Gebäude untergebracht. Als ich 14 Jahre alt war, besuchte ich dieses Museum und war unendlich begeistert von der Ausstellung über die Samen, der indigenen Bevölkerung im nördlichen Skandinavien. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt nur davon träumen, als Forscherin durch die Welt zu gehen. Als ich dann einen Stock über dem Museum einen Vortrag über meine Forschungsarbeit hielt, spürte ich unglaubliche Kraft und Zufriedenheit. Ich war einfach tief bewegt und konnte es selbst nicht glauben, dass ich mir einen Jugendtraum verwirklicht hatte. Daran wurde mir wohl doch auch bewusst, dass ich etwas tue, das meins ist.

2-3 Hürden die dir auf deinem Weg unterkamen.

Eine der größten Hürden war für mich zu erlernen die Ruhe zu bewahren und in meinem Tempo meinen Weg zu gehen. Zu Studienzeiten und Schulzeiten war ich ununterbrochen tätig, habe Projekte umgesetzt, studiert, gearbeitet - ich hatte so viele Projekte im Kopf! Nach dem Studium ging es in einem noch schnelleren Tempo weiter. In so einer Situation zurückzutreten und selbst zu entscheiden was ich, wie und in welchem Ausmaß machen möchte, war ein langer Prozess und bedurfte viel Reflexion.

Eine andere Hürde waren persönliche Verzweiflung und Angst, die beiden Dinge haben diese unheimliche Kraft alles zu blockieren, vor allem die Kreativität und Zuversicht. Sie stellen mir immer wieder Hürden in den Weg, und immer wieder muss ich von Neuem anfangen sie zu sehen und einen Weg finden konstruktiv damit umzugehen und letztendlich neuen Mut zu fassen.

Welche persönlichen Qualitäten helfen dir nicht aufzugeben.

Zähigkeit und Ausdauer: Ich gebe nicht schnell auf, in manchen Situationen ist das aber nicht sehr von Vorteil ;). Wenn ich überzeugt bin von dem was ich tue, dann bleibe ich dran. Selbstständigkeit – ich bin es gewohnt Dinge alleine zu machen, alleine zu verfolgen. Ich warte nicht bis ich jmd. finde, der/die mit mir etwas umsetzt. Ich mache es einfach. Ich denke was mir immer wieder hilft ist meine Neugier, Interesse am Menschen und der Glaube an das Gute in jedem Menschen.

Welche Ratschläge möchtest du Menschen geben, die sich noch am Anfang ihres Weges befinden?

Essentiell ist, so denke ich, genau in sich hineinzuhören und -fühlen, was man gerne tut, wo die eigenen Stärken liegen, welche Träume man hat, kurz gesagt wo man sich lebendig fühlt. Dann, so denke ich, ist es von Bedeutung immer wieder zu reflektieren, ob das was man tut immer noch passt. Die eigenen Bedürfnisse ändern sich immer wieder und nur weil es früher passte, heißt es nicht, dass es für heute noch passt. Außerdem, finde ich ist es wichtig neue Dinge auszuprobieren oder den Mut zu fassen, neue Wege zu gehen. Denn ergeben sich plötzlich auch völlig neue Wege wie selbstverständlich.

@ElliOefner