Wiener Wald

Ich möchte Brücken bauen

Ich sitze neben meinem Sohn und beobachte ihn beim Spielen:

– Was spielst du da?

– Ich spiele Krieg, die Bösen werden jetzt bekämpft, – sagt er und haut mit voller Wucht auf seine „bösen“ Spielfiguren drauf.

– Muss es den so stark sein? – frage ich

– Ja, Mama, sie sind doch böse, wir müssen sie umbringen, vernichten…

Ich erkläre ihm, dass die meisten Soldatinnen und Soldaten sind nicht unbedingt freiwillig bei den Bösen dabei und dass ich das nicht gut finde, Menschen umzubringen.

– Können sie sich nicht versöhnen, – frage ich?

Tage davor hat er mich beim Weinen beobachtet und ich habe ihm auf Russisch – das ist meine Muttersprache, die ich meinem Sohn weiter geben möchte – erklärt, dass ich sehr traurig bin, weil der russische Präsident einen Krieg gegen Ukraine begonnen hat. Ich habe mich entschieden, mit meinem Sohn über Krieg so weit es geht offen zu reden

Bei meinem Sohn geht es leicht – nach einer kurzen Überlegung interessiert ihn der Krieg nicht mehr, es spielt Wissenschaft und macht Experimente in seinem Bade-Meer.

Ich schaue mir die ZDF-Nachrichten an und sehe den neuen Bundeskanzler, der stolz verkündet, sie haben die Entscheidung getroffen und werden noch härter gegen Russland vorgehen.

NO WAR!

Gleich danach kommt die Nachricht, dass Deutschland ihre Militärausgaben auf  2% des Bruttoinlandsprodukts steigern will.

Ich kann das nicht glauben – was? Das wird als Ausgabe für die Verteidigung bezeichnet, Finanzminister sagt natürlich – es ist keine Ausgabe, sondern Investition. Investition in die Verteidigung. 

Sprache der Politiker, die mir sehr bekannt ist. Ich merke eine tiefe Enttäuschung in mir hochkommen.

Und frage mich, was würde jetzt Angela Merkel tun? Würde etwas anderes bestimmt, wenn Annalena Baerbock Kanzlerin geworden wäre? Und kenne keine Antwort.

Im LinkedIn kommen mir mit voller Wucht Bilder von ukrainischen Frauen in Militäruniform entgegen, die für ihr Land kämpfen. Das macht mich nicht stark. Ich denke, ist das die Gleichberechtigung, für die wir einstehen?

Im LinkedIn kommen mir Bilder und Beiträge von Russen entgegen, die der Welt sagen, dass sie sich dafür schämen Russen zu sein. Warum sollten sie sich dafür schämen? – denke ich. Ich kann mich noch nicht für etwas schämen, was ich nicht ändern kann.

Ich schäme mich überhaupt nicht!

Wenn ich mich für etwas schäme, dann dafür, dass wir im Jahr 2022 solche Postings schreiben und Likes dafür kriegen. 

Brücken bauen.

Fast zwanzig Jahre setzte ich mich dafür ein, Brücken zwischen Kulturen zu bauen. Als ich 2003 als sogenannte Russland-Deutsche von Mönchengladbach nach Moskau gegangen bin, um bei der Delegation der deutschen Wirtschaft in Moskau ein Praktikum zu machen. Oder als ich russische Kollegen und Kolleginnen hier in Wien begrüßt habe und für sie ein Workshop über Coaching gemacht habe.

Das macht mein Leben so viel reicher und glücklicher. Ich will und werde nicht darauf verzichten.

Hast du es einmal gelernt und verinnerlicht, wie Brücken gebaut werden können, kannst du nicht mehr zurück. Ich kann die Welt nicht mehr ausschließlich in Gut und Böse trennen, weil ich in dieser Welt lebe und auf der Seite der Bösen ziemlich viele von den Guten kenne.

Meine russische Freundin ist Psychotherapeutin in Moskau und eine der Ersten, die bei allen Krisen der letzten Jahre sofort Hilfe für ihre Kolleginnen in der Ukraine, Georgien, Russland oder bei der Covid Pandemie organisiert und Menschen unterstützt. 

Wir bauen Brücken.  Wir brauchen mehr Brücken. Und Menschen, die Brücken bauen wollen.

Der Verein „Kleine-Herzen“ unterstützt beispielsweise Kinder sowohl in der Ukraine als auch in Russland.

 

https://www.kleineherzen.or.at/unsere-kinder-in-der-ukraine-brauchen-uns-dringend/

So sehe ich meinen Platz gerade dort, wo mein Sohn spielt und lernt, Brücken zu bauen. Es scheint mir gerade der wichtigste Auftrag zu sein.

Unterstützung hole ich mir von Erfahrenen, hier ist der Link zu der nächsten Veranstaltung. 

https://pioneersofchange-summit.org/

Wie siehst du das? Schreibe gerne deine Meinung in Kommentaren oder direkt an mich.

Die Autorin: Natalia Schweizer

Ich bin eine bekennende Optimistin, leidenschaftliche Mutter und Schreiberin. Als praktizierende Coachin ACC ICF und Unternehmensberaterin unterstütze ich ambitionierte Menschen, die sowohl eine gut gehende Karriere/Business als auch ein erfülltes Familienleben führen wollen und bereit sind, etwas aktiv dafür zu tun. Ich lebe und arbeite in deutscher, russischer und englischer Sprache und verbinde so in meiner Methodenwahl Fachkenntnisse und Praxiserfahrungen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen.

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2 Kommentare zu „Ich möchte Brücken bauen“

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