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#1 Elisabeth Öfner: Begabung bzw. Berufung heißt für mich auch Verantwortung zu tragen, zuerst für mich selbst, aber im weiteren Sinne auch gegenüber meinen Mitmenschen.

Können Sie sich vorstellen, für einige Monate ihren festen Wohnsitz aufzugeben, alle Sicherheiten zu lösen und einfach in die Welt zu ziehen? Ich kann es für mich persönlich sehr schwer vorstellen, aber ich möchte Ihnen hier eine Person vorstellen, die das gemacht hat. Elisabeth Öfner ist eine österreichische Anthropologin und erforscht seit Jahren die Situation der Baschkiren in Russland. Ehrlich gesagt, als ich Elli vor fünf Jahren kennengelernt habe, war meine Vorstellung von Anthropologie gleich null, durch sie habe ich Interesse für diesen Wissensbereich und auch die Wichtigkeit der anthropologischen Forschung erkannt.

Also ich übergebe das Wort an Elisabeth

Was heißt für dich Begabung/Berufung?

Begabung ist für mich eine unerschöpfliche Quelle die jede Person tief in sich trägt. Ich für mich persönlich, verstand erst mit der Zeit, dass dies Quelle auch genügend Nahrung auf Aufmerksamkeit braucht. Fähigkeiten können auch wachsen und sich weiterentwickeln. Ich persönlich musste verschiedene Dinge ausprobieren, durch schwierige Situationen gehen um zu spüren und erfahren was „meins“ ist, um zu bemerken was mir liegt und wo ich in ein Resonanzverhältnis mit anderen Menschen gehen kann. Schließlich geht es darum meine Begabungen weiter auszudifferenzieren und zu lernen. Begabung bzw. Berufung heißt für mich auch Verantwortung zu tragen, zuerst für mich selbst, aber im weiteren Sinne auch gegenüber meinen Mitmenschen. Meine Begabungen sollen doch auch einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten können – zumindest ist dies ein Gedanke den ich immer wieder habe.

Wann hast du gemerkt, dass das was du machst auch wirklich deins ist?

Ich weiß es nicht genau, ich kann mich nicht an einen bestimmten Zeitpunkt erinnern. Mir fällt ein Schlüsselerlebnis ein: Vor etwa einem Jahr hielt ich einen Vortrag im Arctic Center in Rovaniemi (Finnland). Dieses Forschungsinstitut ist gemeinsam mit einem Museum in einem Gebäude untergebracht. Als ich 14 Jahre alt war, besuchte ich dieses Museum und war unendlich begeistert von der Ausstellung über die Samen, der indigenen Bevölkerung im nördlichen Skandinavien. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt nur davon träumen, als Forscherin durch die Welt zu gehen. Als ich dann einen Stock über dem Museum einen Vortrag über meine Forschungsarbeit hielt, spürte ich unglaubliche Kraft und Zufriedenheit. Ich war einfach tief bewegt und konnte es selbst nicht glauben, dass ich mir einen Jugendtraum verwirklicht hatte. Daran wurde mir wohl doch auch bewusst, dass ich etwas tue, das meins ist.

2-3 Hürden die dir auf deinem Weg unterkamen.

Eine der größten Hürden war für mich zu erlernen die Ruhe zu bewahren und in meinem Tempo meinen Weg zu gehen. Zu Studienzeiten und Schulzeiten war ich ununterbrochen tätig, habe Projekte umgesetzt, studiert, gearbeitet - ich hatte so viele Projekte im Kopf! Nach dem Studium ging es in einem noch schnelleren Tempo weiter. In so einer Situation zurückzutreten und selbst zu entscheiden was ich, wie und in welchem Ausmaß machen möchte, war ein langer Prozess und bedurfte viel Reflexion.

Eine andere Hürde waren persönliche Verzweiflung und Angst, die beiden Dinge haben diese unheimliche Kraft alles zu blockieren, vor allem die Kreativität und Zuversicht. Sie stellen mir immer wieder Hürden in den Weg, und immer wieder muss ich von Neuem anfangen sie zu sehen und einen Weg finden konstruktiv damit umzugehen und letztendlich neuen Mut zu fassen.

Welche persönlichen Qualitäten helfen dir nicht aufzugeben.

Zähigkeit und Ausdauer: Ich gebe nicht schnell auf, in manchen Situationen ist das aber nicht sehr von Vorteil ;). Wenn ich überzeugt bin von dem was ich tue, dann bleibe ich dran. Selbstständigkeit – ich bin es gewohnt Dinge alleine zu machen, alleine zu verfolgen. Ich warte nicht bis ich jmd. finde, der/die mit mir etwas umsetzt. Ich mache es einfach. Ich denke was mir immer wieder hilft ist meine Neugier, Interesse am Menschen und der Glaube an das Gute in jedem Menschen.

Welche Ratschläge möchtest du Menschen geben, die sich noch am Anfang ihres Weges befinden?

Essentiell ist, so denke ich, genau in sich hineinzuhören und -fühlen, was man gerne tut, wo die eigenen Stärken liegen, welche Träume man hat, kurz gesagt wo man sich lebendig fühlt. Dann, so denke ich, ist es von Bedeutung immer wieder zu reflektieren, ob das was man tut immer noch passt. Die eigenen Bedürfnisse ändern sich immer wieder und nur weil es früher passte, heißt es nicht, dass es für heute noch passt. Außerdem, finde ich ist es wichtig neue Dinge auszuprobieren oder den Mut zu fassen, neue Wege zu gehen. Denn ergeben sich plötzlich auch völlig neue Wege wie selbstverständlich.

@ElliOefner